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Eine einfache Anleitung für Stoffmalerei

Ich male sehr gerne auf Stoff. Zum einen fühlt es sich wunderbar an Stoff in eine Leinwand zu verwandeln. Zum anderen habe ich den bemalten Stoff dann sofort zur Hand und kann etwas daraus nähen. Das bereitet viel Freude und geht superschnell. So ganz nebenbei entsteht so auch gleich ein einzigartiges Stück.


Der Stoff wird zur Leinwand auf der Du Dich austoben kannst

Mit einem selbst bemalten Stoff kannst Du neben dem kreativen Erlebnis auch einen Beitrag zur Nachhaltigkeit leisten. Denn auch alte Stoffe, oder Flohmarktfunde kannst Du damit gestalten.

Ohne Vorkenntnisse kannst Du sofort loslegen, die Möglichkeiten sind grenzenlos, sei es eine Kissenhülle, eine alte Jeans oder Meterware, alles kannst Du wunderbar mit Stofffarbe bemalen.

Was Du für Stoffmalerei benötigst:

  • 2 Pinsel (in 2 Größen, rund und flach)
  • Baumwollstoff (hell und glatt, am besten 100-prozentige Baumwolle mit einer dichten Maschenweite). Den Stoff solltest Du vorher waschen und bügeln, Falten sind schwierig zu bemalen!
  • ein Wasserglas zum Verdünnen der Farben
  • ein paar Stofffarben, bei dunklerem Stoff empfehle ich Weiß zum Mischen. Die Farben gibt es im Kunstbedarf. Für dieses Tutorial habe ich Marabu TEXTIL PRINT FARBE verwendet.
  • Ein altes Handtuch oder Wachstuch als Unterlage
Textilfarben

1. INSPIRATION

Daniela Gregis Kleid 2017

Los geht es! Gibt es ein Muster, das Dir besonders gut gefällt? Es muss nicht auf Stoff sein, es kann ein Kunstwerk sein oder ein Tapetenmuster. Lass Dich inspirieren. Ich habe schon vor Jahren dieses Bild von einem Kleid entdeckt (siehe Foto) und werde es jetzt als Inspiration verwenden. Ich liebe die Farben und die Dynamik, die dieses Kleid ausstrahlt.

Du kannst Dir entweder eine Vorlage bereit legen oder aber auch einfach loslegen. Wie immer ist der Weg das Ziel. Zeit für dich + Kreativität = Lebensfreude!

Ein Tipp für das farbenfrohe Bemalen von Stoff: Komplementärfarben, die sich auf dem Farbkreis gegenüberliegen, z.B. Rot und Cyan, Grün und Pinktöne oder Blau und Gelb/ Orange wirken sehr lebendig, da sich die Farben in ihrer Wirkung gegenseitig verstärken.


2. FARBEN MISCHEN

Meine Palette für dieses Projekt

Überlege Dir, welche Farben Dich gerade ansprechen und stelle diese bereit. Du brauchst Dir keinen Druck wegen dem Resultat machen. Probiere auf einem Probestück aus, wie die Farben auf Deinem Stoff wirken. Ändere Deine Farbpalette, wenn Du es Dir anders überlegt hast. Experimentiere.

Ich fange mit einer Farbe an und mische dann frei andere Farben auf meiner Palette hinzu. Das kannst Du insbesondere so machen, wenn Du nicht gezielt eine bestimmte Farbe immer wieder verwenden möchtest, die sich also nicht wiederholen muss.

Wenn Du aber ganz bestimmte Farben haben möchtest, wie z.B. ein spezifisches Hellblau, dann mische diese Farbe separat vor und zwar in der Menge, die Du brauchen wirst. Das hängt von der Menge Stoff ab, die Du am Ende bemalen möchtest. Wenn Du gerade mit der Stoffmalerei beginnst, würde ich Dir vorschlagen mir zu Folgen, d.h. erst mit einer Farbe anfangen und dann dazu mischen. So bekommst Du ein gutes Gefühl dafür wie viel Farbe Du für welche Menge Stoff benötigst. Wenn Du Dir nur eine Farbe anmischst, wäre es natürlich ärgerlich, wenn Dir die Farbe ausgeht. Neues mischen birgt immer das Risiko, dass man nicht den exakten Farbton trifft.

Ich wusste, dass ich eine Tunika aus dem bemalten Stoff nähen möchte, mit Ärmeln und Belegen, das bedeutete, dass ich SEHR VIEL Stoff bemalen würde.

ERFAHRUNGSTIPP: Bereite Deine ausgewählten Farben so vor, dass sie direkt neben dem zu bemalenden Stoff stehen zusammen mit dem Wasserglas zum Verdünnen. Mir ist es schon passiert, dass ich aus Versehen über mein Werk gekleckert habe, weil der Weg von der Farbe zu der Stelle, die ich bemalen wollte zu weit war.


3. ARBEITSPLATZ UND STOFF VORBEREITEN

Die Palette mit den Pinseln für die Stoffmalerei
Meine Palette liegt direkt auf dem Stoff

Mache Dir Platz und breite Deinen Stoff auf dem Tisch aus. Bügle ihn vorher, wenn er sehr knitterig ist, das macht das bemalen deutlich einfacher. Eine Unterlage wäre sinnvoll, wenn Du keinen Ateliertisch hast, denn die Farben sickern beim Bemalen durch den Stoff. Eine abwischbare Tischdecke ist daher eine gute Idee.

Wenn Du Stoff, Pinsel und Farben, sowie Deine Inspiration vor Dir (oder im Kopf) hast, kannst Du loslegen!

Noch ein Tipp: Wenn Du ein Kleidungsstück nähen möchtest, lege Dein Schnittmuster VOR dem Bemalen auf den Stoff, schneide ihn zu und bemale dann die Schnittteile, so kannst Du auch Übergänge bei den Seiten– und Schulternähten bewusst gestalten


4. BEMALEN

Die ersten Bahnen Farbe auf dem Stoff

Nun kannst Du nacheinander jeweils eine der ausgesuchten Farben verwenden, verdünne sie mit Wasser, als würdest Du ein Aquarellbild malen wollen, denn die Farben sind recht pastös. Wenn Du eine zweite Farbe neben die Erste auftragen möchtest, muss der Stoff nicht erst trocknen, achte aber darauf kleine Abstände zu der vorherigen Farbe einzuhalten, da sie zeraufen kann, wenn sie stark verdünnt wurde.

Füge weitere Farben hinzu, bis es Dir gefällt und Du Deinen Stoff fertig bemalt hast. Wenn Du über eine Farbe malen möchtest, lasse die untere Schicht trocknen, hierzu kannst Du einen Fön verwenden. Danach kannst Du Dir überlegen, weitere Details wie Kreise, Striche oder andere Motive homogen verteilt hinzufügen.

ERFAHRUNGSTIPP: Bei Motiven, die präziser sein sollen, nimm weniger Wasser und einen kleineren Pinsel. Ich habe große Streifen gemalt und mir machte das Zerlaufen nichts aus.


5. FIXIEREN

Der Stoff wird mit einem Bügeleisen fixiert.
Die Farbe wird fixiert

Zum Schluß musst Du, Deinen Stoff unbedingt fixieren (lasse ihn erstmal Lufttrocknen bzw. beachte die Herstellerangaben für die Farbe), dann mit dem Bügeleisen auf beiden Seiten ohne Dampf 3 Minuten bügeln. Danach ist er bis 40 Grad in der Waschmaschine waschbar, die Farben bleiben erhalten!

ERFAHRUNGSTIPP: wenn Du Kleidung aus dem bemalten Stoff nähen möchtest, ist es vorteilhaft, die Farbe immer zu verdünnen. Mir ist es anfangs passiert, dass sich die Kleidung, die ich mir nähte, steif anfühlte, weil ich sie nicht verdünnt hatte. (Außerdem musst Du Stoffe für Kleidung unbedingt vorher waschen, da sie immer etwas eingehen.)
Bei Tischdecken und Dekoartikeln ist das kein Problem. Im Gegenteil, bei Taschen gibt unverdünnte Farbe dem Stoff sogar einen gewissen Halt.

 Nun hast Du einen selbstgemalten Stoff, auf den Du zurecht stolz sein kannst, denn den gibt es nirgends zu kaufen!


Hier ist meine fertige Tunika! (Bereits einmal gewaschen aber nach dem Waschen noch nicht gebügelt). Ich werde sie mit bunten Strumpfhosen tragen, bis es wieder wärmer wird.

Die fertige Tunika, genäht aus handbemalten Stoff.
Die fertig bemalte Tunika

Viel Spaß beim Ausprobieren!

Liebe Grüße aus dem Atelier,

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