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Meditationsmalerei

“ Die Kunst ist nach meiner Meinung die einzige evolutionäre Kraft, das heißt, nur aus der Kreativität des Menschen heraus können sich die Verhältnisse ändern.“ –Joseph Beuys

Meditatives (oder auch intuitives) Malen, oder wie ich es nenne Meditationsmalerei, ohne Heil- oder Erziehungsauftrag ist eine Art der Meditation und Selbstfürsorge, die vor allem zu mehr Lebensfreude und weniger Stress beitragen soll.

Ähnlich wie bei den anderen Meditationen geht es bei der Malmeditation darum, zur Ruhe zu kommen. Nichts erreichen zu müssen, Druck abzulassen, Gedanken schweifen und vorbeiziehen lassen, sich entspannen…

Der  wesentliche Unterschied zu den bekannten Meditationen liegt im Material. Es erscheint sozusagen ein Medium zwischen Mensch und Meditation auf dem man seinem inneren Kritiker begegnen kann,  seine Grenzen aufspüren und diese überwinden kann.

Bei der Meditationsmalerei, mithilfe künstlerischer Verfahren geht es nicht ums Kunstschaffen im herkömmlichen Sinne, nach dem man den „Erfolg“ sehen oder vorzeigen muss, sondern um den inneren Erfolg dem eigenen seelischen Wachstum. 

Dabei schliesst dies ein „erfolgreiches“ Werk nicht aus,  aber es steht keineswegs vorrangig als Ziel im Raum. Die Leinwand dient als Landkarte, als Wegbegleiter und bietet Orientierungspunkte für den nächsten Schritt. Man lässt die innere Stimme sprechen und lässt sie sagen, was auch immer sie möchte.

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Ohne viel nachzudenken begibt man sich auf die Reise, wählt ein paar Farben aus (dazu im nächsten Tutorial mehr) und verteilt diese auf einer weißen, unbenutzten Fläche.

Man zieht seine Linien, markiert seine Punkte, schmiert, pinselt und geht Schritt für Schritt durch seine Impulse und Gedanken hindurch, jeder Pinselstrich bedingt den nächsten, provoziert die nächste Entscheidung an der man nicht haften bleibt, man versucht stetig weiterzugehen um in einen rhythmischen Tanz zu gelangen.

Was „schön“ oder „nicht schön“ ist, jede Beurteilung dessen, was man auf seiner Leinwand sieht, soll überwunden werden. Grosszügig erlaubt man sich im Augenblick intuitiv und impulsiv zu handeln, nichts muss geschehen, was geschieht, ist erlaubt.

Dieser kreative Prozess ( Kreativität: lat. creare -erschaffen, erzeugen, und ital. crescere – geschehen, wachsen) lässt sich mit Beuys Auffassung vom Kunstbegriff vergleichen,  als er die einfache Formel

„Kunst = Mensch = Kreativität = Freiheit “ postulierte.

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Der amerikanische Professor für Psychologie, Mihaly Csikszentmihaly sagte, dass wir, wenn wir schöpferisch sind, über uns hinauswachsen können und Kreativität uns eine neue Dimension eröffne, die über unseren Alltag hinausginge.

Arno Stern richtete bereits 1946 in Paris das erste Atelier für Ausdrucksmalen ein. Dort entwickelte er einen Malort mit vorgegebenen Rahmenbedingungen. Er bot den Malenden in einem abgeschirmten Raum eine Auswahl an leuchtenden Farben und Maluntergründen ( an Wände geheftete Papierbögen aus Packpapier)  wo sie im Stehen, um stets in Bewegung bleiben zu können, also auch körperlich energetisch präsent, malten. Gemalt wurde mit Pinseln, Händen und spachteln und zwar so lange, bis man meinte, das Bild sei `fertig`. Es gab keine Themen oder Vorgaben bezüglich der Bildinhalte, stattdessen schöpfte man aus seinen inneren Bildern und folgte einer inneren Malspur die zu Authentizität und Ausdruck führte. 

Später entwickelte Bettina Egger für (Kunst-) Therapeutische Zwecke ihr Lösungsorientiertes Malen (LOM) welches das Bild zu analytischen Zwecken in den Mittelpunkt stellte: „Durch die Analogie mit dem Anderen, dem Gegenteil,  dem Nicht-ich,  kommen wir mit der Information in Kontakt, welche die Lösung in sich birgt.“

Malerei wurde schon immer auch heilend eingesetzt wie z.B. in der orientalischen oder schamanischen Medizin, mithilfe von Mandalas, die zur meditativen Versenkung noch heute gestaltet und genutzt werden. Das Malen als sichtbarer Ausdruck von Empfindungen kann sehr heilsam sein. 

Meditative Malerei (auch als intuitive Malerei bekannt) ist ein Mittel zur mehr Ausgeglichenheit, Mut, Heilung und Lebensfreude.

Wie kam ich zur Meditationsmalerei?

Ich male seit ich denken kann. Ich habe zwar eine klassische künstlerische Ausbildung, aber die gängigen Methoden, das fertige “ Werk“ nach ästhetischen Aspekten und somit auch handwerklichem Geschick zu beurteilen, langweilten mich schnell und ich fing an, nach neuen Wegen zu suchen, das Malen, ähnlich der Erfahrungen in der Kindheit, wieder als Weg zur Spontanität, Lebensfreude und auch Selbstfürsorge zu erleben. 

Nach meinem Studium begann ich mich mit Malerei anders zu beschäftigen, den Prozeß und das Empfinden dabei in den Vordergrund zu stellen, ohne dem Ziel ein vorzeigbares Werk oder ein Werk mit einer Aussage zu erschaffen.

Ich vertiefte mich in Bücher über Kreativität, Work-Life Balance, Flow, Meditation und generell über das Sein des Menschen in einem schnellen, überartikulierten und materiellen Umfeld und ging auf die Suche nach Sinn und Balance im sogenannten Hamsterrad.

Abläufen, die ich als verallgemeinert, unflexibel, eng, monoton und sinnentleert empfinde, trete ich heute überzeugt mittels meines kreativen Ausdrucks entgegen.

Dabei stellte ich fest, dass es keiner radikalen Mittel bedarf aus oben genanntem Rad auszusteigen und ich auch nicht sofort einen „ungeliebten“ Job kündigen musste, es reichte eine Leinwand als Medium zu verwenden, um auf ihr zu üben, wie es ist, sich einfach nur auszuprobieren.

Befreiend fand ich dabei, dass ich ohne Bewertung malen konnte, mit niemandem in Konkurrenz treten musste und ohne Leistungsdruck kreativ sein konnte, nur für mich.

Ich tauchte ein in eine Welt ohne Zielvorgabe und Ergebnisstreben, eine Welt in der es keine Fehler gibt, ich immer wieder „drüber pinseln“ kann. Ich fand einen Ort wo der Wandel als Metapher des Lebens für mich sichtbar, greifbar und verstehbar werden kann.

Es geht demnach nicht darum, Galeristen von seinen Werken zu überzeugen oder möglichst viele Likes auf Social Media Kanälen zu generieren, sondern um die ureigene Erfahrung beim Tun. Sich nicht nur vom eigenen inneren Kritiker, sondern gleichzeitig von der Kritik anderer (sowohl positiver, als auch negativer) loszulösen, kann zu einer unerschöpflichen Quelle der eigenen Kreativität führen.

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Manchmal reichen ein paar Stunden Erlaubnis um das Alltagsgeschehen zu Unterbrechen und um in uns neue Wege, Ideen oder Impulse wachzurufen, die wir mitnehmen können und abrufen und die uns das bewusste Leben im Augenblick ermöglichen.

Ich glaube fest daran, dass neben anderen Meditationsformen auch die Malerei ein meditativer Weg sein kann, um mit seinem Inneren Kontakt aufzunehmen. Meditationsmalerei ist ausgleichend , erinnert an eigene Ressourcen und gibt Klarheit für das eigene Leben.

Diese Art zu Malen ermöglicht, kleine Inseln für sich zu finden und sich mit einem Pinsel in der Hand eine eigene neue Welt zu erschaffen.

Angelehnt an ein bekanntes Pippi Langstrumpfs Zitat sage ich gerne:

“ Ich male mir die Welt, wie sie mir gefällt!“

Mit kühnem und spontanem Engagement ermöglicht diese Form der Meditation Offenheit für eine innere Verwandlung, Ermutigung und Inspiration zu erhalten, Methoden und Herangehensweisen zu erlernen das Sein anders wahrzunehmen.

Oft höre ich denn Satz “ Ich bin nicht kreativ!“. Diesen zu endkräftigen, ist fast schon mein Leitmotiv geworden. Jeder Mensch kann Farbe auf einen Untergrund auftragen. Gerade das Loslassen eines Anspruchs, ermöglicht eine spielerische Motivfindung, sie geschieht von selbst. Durch Meditationsmalerei lassen sich Körper, Geist und Seele verbinden.

Ich habe einen Tutorial gestaltet, um sowohl Erstmaler als auch professionelle Künstler zu unterstützen,  sich durch Angst zu bewegen, seiner Intuition zu folgen, dabei den eigenen Stil zu finden und sich einer neuen Welt kreativer Möglichkeiten zu öffnen.

Dieses Tutorial möchte ich demnächst in einem weiteren Blogbeitrag mit Dir teilen. Schau einfach wieder vorbei.

Kreative Grüße aus dem Atelier,

Unterschrift Blog

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